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[ Das Neue und das andere ]

TIZIANO TERZANI

Journalist – Autor – Fotograf

„ Lesen ist die einzige Möglichkeit, mehr als ein Leben zu leben, ohne mehr als einen Tod zu sterben”, hat die amerikanische Schriftstellerin Marion Zimmer-Bradley gesagt – wie wahr!

Liest man die Bücher von Tiziano Terzani, ist man fasziniert von seinem Leben und den Dingen, die er zu sagen hat. In seinem Buch „Das Ende ist mein Anfang” erzählt er, 1938 in Florenz geboren, von der Welt, „ ... in der ich groß geworden bin – und aus der ich abgehauen bin, sobald ich es konnte”. Man ist beeindruckt von dem kleinen Jungen, der es mit seiner ungeheuren Willenskraft schafft, den durch die Armut der Eltern scheinbar vorgegebenen Weg zu verlassen und einen nach den eigenen Vorstellungen einzuschlagen. Er studierte Jura und Sinologie, wurde Journalist und arbeitete von 1972 bis 1997 für den SPIEGEL in Asien (Singapur, Hongkong, Peking, Tokio, Bangkok und Delhi). Er schrieb für „IL CORRIERE DELLA SERA” und „LA REPUBLICCA” und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Man taucht ein in ferne Kulturen, erlebt Krisengebiete wie Vietnam und Kambodscha, macht sich ein Bild aufgrund der journalistisch recherchierten Fakten und Berichte und verwirft es schnell wieder, weil er alles kritisch hinterfragt, infrage stellt und nach Lösungen sucht – man ist mit ihm auf der Reise!

„Und wäre es wirklich ein Segen, im Leben stets auf Rosen gebettet zu sein? Doch eher nicht, denn wer lebt, ohne sich je zu fragen, wozu er lebt, hat eine große Chance vertan. Und nur das Leid treibt einen dazu, sich diese Frage zu stellen.” Diesen Gedanken hat er, als sein Leben, ausgelöst durch eine Krebserkrankung, eine ganz neue Wendung erfährt. „Im Laufe der Jahre hatte ich immer mehr begriffen, dass die Fakten niemals die ganze Wahrheit sind und dass es noch etwas jenseits der Fakten gibt – eine andere Realitätsebene – die ich, wie ich spürte, nicht zu packen bekam und von der ich wusste, dass sie in meinem Beruf, so wie er heute praktiziert wird, auch keinen interessierte.”

Er beschließt unter anderem, „ ... drei Monate in einem Aschram zu verbringen, etwas Sanskrit zu lernen und über jene eine große Frage nachzudenken, die den Menschen seit jeher bewegt und die auch im Mittelpunkt des Vedanta steht, dem letzten Teil der Veden und philosophischen Kern der ältesten heiligen Schriften Indiens: ‚Wer bin ich?’ Da die Antwort gewiss nicht lauten konnte: ‚Ich bin Journalist jener Zeitung, Autor jenes Buches, ein an jener Krankheit erkrankter Mann’, versuchte ich, auch formell nicht länger jener Mensch zu sein, der ich gewesen war, meinen Namen und meine Vergangenheit abzulegen, um ganz einfach ‚Anam’ zu werden, der ‚Namenlose’. Ein, wie mir schien, höchst passender Name, um ein Leben zu beschließen, das ich mit dem Versuch zugebracht hatte, mir einen Namen zu machen.”

Wieder unterwegs: New York, Indien, Thailand, USA, Hongkong, Philippinen und im Himalaja. Er spürt, „dass unsere Kenntnisse von der Welt und über uns selbst extrem beschränkt sind. Und dass hinter dem Augenschein, hinter den Fakten eine Wahrheit liegt, die uns entgeht, weil wir sie nicht fassen können mit unseren Sinnesorganen, unseren wissenschaftlichen Kriterien, unserer sogenannten Vernunft.” Auch diese Erfahrungen und Erkenntnisse beschreibt er so wunderbar ehrlich, faszinierend, auch humorvoll oder skeptisch – beeindruckend interessant, was er zu sagen hat!

Tiziano Terzani ... Fliegen ohne Flügel – Eine Reise zu Asiens Mysterien ... Briefe gegen den Krieg ... Asien, mein Leben - Die großen Reportagen ... Noch eine Runde auf dem Karussell – Vom Leben und Sterben ... Das Ende ist mein Anfang – Ein Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens ... Meine asiatische Reise – Fotografien und Texte aus einer Welt, die es nicht mehr gibt ...

03.09.2012 von schloss